Das Vokabular
Steuerfuss. Der Multiplikator, den jede Schweizer Gemeinde auf die kantonale einfache Steuer anwendet, um ihren Anteil an Ihrer Steuerrechnung zu berechnen. Bezeichnungen in den anderen Sprachen:
- Französisch: coefficient d'impôt communal
- Italienisch: moltiplicatore d'imposta comunale
- Französisch (GE/VD-Stil): centimes additionnels — etwas anders (additiv, nicht ersetzend)
Der Mechanismus
Ihr steuerbares Einkommen läuft durch den kantonalen Tarif der einfachen Steuer (einer pro Kanton, im StG publiziert). Der Tarif ergibt einen Betrag in CHF — die einfache Steuer. Das ist nicht, was Sie zahlen, sondern die Einheit, die multipliziert wird.
Drei Multiplikationen passieren:
- Kantonaler Steuerfuss (Staatssteuerfuss): der Anteil des Kantons. Z. B. ZH 99 %, BE 306 %, ZG 80 %.
- Gemeindesteuerfuss: der Anteil der Gemeinde. Das ist die Zahl, die Sie auf Optiqo sehen.
- Kirchensteuer (optional, nur bei eingetragener Mitgliedschaft).
Total Kantons- + Gemeindesteuer = einfache_Steuer × (Kantons-Fuss + Gemeinde-Fuss) ÷ 100.
Warum die Zahlen zwischen Kantonen so verschieden aussehen
Ein Steuerfuss von 50 % in Zug ist nicht direkt mit 100 % in der Waadt vergleichbar, weil die zugrunde liegende einfache Steuer in diesen Kantonen nach völlig unterschiedlichen Tarifen berechnet wird. Manche Kantone haben steile Anfangsstufen und eine tiefe Spitze, andere flache Anfangsstufen und eine hohe Spitze. Der Steuerfuss ist nur der letzte Multiplikator auf das, was die Kantonskurve ergeben hat.
Wenn Optiqo also «Zug 50 %, Bern 154 %» zeigt, lautet die richtige Lesart:
- Innerhalb desselben Kantons bedeutet 50 % vs. 60 %, dass die zweite Gemeinde 20 % mehr kostet.
- Zwischen Kantonen lässt sich der Steuerfuss nicht direkt vergleichen. Berechnen Sie die tatsächliche Steuerbelastung bei Ihrem Einkommen — genau das macht Optiqos einkommensbasierter Atlas.
Sonderfälle
- Genf (GE) verwendet centimes additionnels — einen additiven statt ersetzenden Multiplikator. Die Stadt Genf legt 45,49 Centimes auf die 47,5 kantonalen Centimes drauf, plus einen Rabatt von 12 %. Optiqo rechnet diesen Sonderfall korrekt.
- Basel-Stadt (BS) kennt für die Stadt Basel keinen Gemeindesteuerfuss — der Kanton besteuert die Stadtbevölkerung direkt. Nur Riehen und Bettingen sind eigene Gemeinden mit eigenem Steuerfuss.
- Glarus (GL) hat nach der Fusion von 2011 noch 3 Gemeinden. Die Varianz ist klein.
- Jura (JU) publiziert die Gemeindemultiplikatoren als quotité d'impôt dezimal (z. B. 1,95) statt in Prozent (195 %). Gleicher Mechanismus, andere Einheit.
- UR, OW publizieren in Einheiten, wobei 1 Einheit = 100 %. Optiqo normalisiert für die Vergleichbarkeit auf Prozent.
Wann sich der Gemeindesteuerfuss ändert
Die Gemeindebudgets werden im November/Dezember für das Folgejahr beschlossen. Die meisten Gemeinden ändern den Steuerfuss nur nach einer strategischen Budgetüberprüfung (alle 3–5 Jahre), kleine Anpassungen sind aber häufig. Schlagzeile 2026: Der Kanton Zürich senkte seinen kantonalen Steuerfuss von 98 % auf 95 % — die grösste Senkung seit 20 Jahren.